Yannis - part 2

Getroffen in Zürich, Schweiz, im Januar 2020

(Teil 2 von 2) »Yannis, nach den Einblicken in eure Firma und in die Industrie im Generellen kommt mir dieser eine Gedanke: Ist das nicht ein Beispiel dafür, dass wir eine Hochleistungsgesellschaft sind?« »Das stimmt, aber ich denke, wenn du selbstständig bist, siehst du es etwas anders. Ich mag es nicht, Tage frei zu nehmen, wenn es noch Arbeit zu erledigen gibt. Da ist dauernd dieses schlechte Gewissen im Hinterkopf.« »Leidet dein Privatleben darunter? Zeit für Freunde?« »Privat- und Berufsleben vermischen sich. Manchmal besuchen uns Freunde am Abend im Büro. Aber es ist auch schon passiert, dass ich am Abend, als ich bereits zu Hause war, vom Kunden eine Nachricht kriegte, dass ich Dieses oder Jenes fertigstellen müsste auf den nächsten Morgen. Dann muss ich wieder zurück an den Arbeitsplatz, was ziemlich mühsam ist.« Ich denke an meine eigenen Erfahrungen. »Leute antworten mir an einem Sonntagabend manchmal 10 Minuten nachdem ich ihnen ein Mail schicke.« »Ja, es ist schnelllebig. Ich erinnere mich stets daran, dass es okay ist, nicht innerhalb einer Stunde zu antworten oder nicht immer erreichbar zu sein auf dem Handy.« »Was machst du, wenn dir die Motivation fehlt?« »Manchmal sitze ich vor dem Computer, schaue 2 Stunden lang die Aufnahmen durch, ohne viel zu schaffen. Es gibt definitiv Projekte, die keinen grossen Spass machen, aber ich versuche es aus einer anderen Perspektive zu sehen. Es gibt Geld für spätere Investitionen. Und plötzlich bist du in diesem Flow, in dem du ohne Unterbruch arbeiten kannst. Auf der anderen Seite haben wir grosse Projekte, die sich hervorragend als spätere Referenzen eigenen, aber sich finanziell dafür nicht lohnen.« »Hast du Angst, nicht erfolgreich zu sein bei grösseren Projekten?« »Es ist keine Angst, aber sicherlich Respekt vor dem, was schief gehen kann. Schlussendlich kriegst du es jedoch immer irgendwie hin.« »Könntest du dir vorstellen, je wieder in fester Anstellung zu arbeiten?« »Ja, definitiv. Du weisst nie, was in 10 Jahren sein wird. Die Sache mit der Freiheit ist zweischneidig. Abends um 17 Uhr nach Hause kommen und zu wissen, dass die Arbeit für heute abgeschlossen ist, ist ebenfalls Freiheit. Diese grossen Projekte sind stressig im Moment der Realisation. Oftmals erkenne ich erst im Nachhinein, wieviel Spass es gemacht hat.«


Yannis ist Teilinhaber von TYMA Film.

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