Sabrina - part 2

Getroffen in der Region Luzern, Schweiz, im Juli 2020

(Teil 2 von 2) »Ein geregelter Arbeitstag von Montag bis Freitag wäre schrecklich für mich. In meinen Zwanzigern habe ich alles ausprobiert, was mich reizte … ich dachte nicht viel darüber nach, dass das einmal anders sein könnte. Nun bin ich 33 Jahre alt und versuche herauszufinden, wie mein Leben in Zukunft aussehen soll. Wie will ich Geld verdienen und wieviel benötige ich davon? Momentan arbeite ich als selbstständige Physiotherapeutin, was mir für den Moment genug Freiheit gibt. Wenn ich Kinder hätte, würde ich ihnen sagen, dass sie all diese Dinge ausprobieren sollten. Geht reisen, denn ihr werdet euch Zeit nehmen, um ein besseres Verständnis für andere Kulturen zu entwickeln. Mein prägendstes Erlebnis war vor 9 Jahren im Yukon, als ich zusammen mit einem jungen Mann diese lange gerade Strasse im Nirgendwo gefahren bin. Plötzlich entdeckten wir einen abgestürzten 4-Plätzer … komplett zerstört. Der Pilot war immer noch am Leben, zeigte aber lebensbedrohliche Verletzungen. Mein Kollege fuhr sofort los. Zwei Stunden später kam die Ambulanz und der Pilot überlebte wie durch ein Wunder. Nachdem er sich erholt hatte, flog er sogar in die Schweiz um sich zu bedanken.«

Zu reisen hat in Sabrinas Leben schon immer eine wichtige Rolle gespielt. »Ich war 18 Jahre alt als ich den Inka Trail in Peru wanderte. Ich sah die Armut auf den Strassen, und das war der Moment in dem ich mich entschied, meine leibliche Familie zu suchen. Ich fragte mich, ob ich Geschwister habe und ob sie finanzielle Unterstützung für ihre Ausbildung benötigen. Zurück in der Schweiz liess ich meine Geburtsdokumente übersetzen und fand schliesslich den Namen meiner Erzeugerin heraus. Meine Eltern haben mir immer geholfen und offen mit mir darüber gesprochen. Somit suchte ich auf Facebook nach ihr und als ich das Profilbild sah, schien es, als würde ich mein Spiegelbild betrachten. Ich schrieb ihr eine Nachricht: ›Hi.‹ Das war alles. ›Bist du meine Tochter?‹, war ihre Antwort. Ich liess sie wissen, dass es mir gut geht und dass ich ihr nicht böse bin. Stell dir vor, du gibst dein Kind weg und all die Jahre lebst du in Ungewissheit. Es stellte sich heraus, dass ich Geschwister habe, sie eine Ausbildung absolvieren und es ihnen gut geht. Meine Erzeugerin wusste nicht, dass ich in der Schweiz lebe. Und nun rate mal, was für einen Hund sie besitzt? Einen Bernhardiner … das ist so witzig. Eines Tages werde ich sie sicherlich besuchen. Aber meine Familie ist nun in der Schweiz. Mein Zuhause ist hier, ebenso meine Eltern, die mich grossgezogen und immer unterstützt haben.«

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Mehr über Sabrina:

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