Petronella

Getroffen in der Region Aarau, Schweiz, im Juni 2020

Über den Verlust eines Elternteils. »Ich warte vor dem Laden um Lebensmittel einzukaufen. Ich wollte früh sein, denn es ist in der Regel ein stressiger Tag. Es ist 8 Uhr, der 24. Dezember 2011. Dann klingelt mein Handy … es ist mein Vater. Was will er um diese frühe Uhrzeit? Ich nehme ab und höre meine Halbschwester schluchzen. Unser Vater ist unerwartet gestorben.« Petronella war damals 30 Jahre alt. Sie fuhr sofort los. Als sie beim Haus ihres Vaters ankommt, liegt er noch immer in einem der Zimmer. »Ich ging nicht hinein, denn ich wollte vermeiden, dass sich dieses Bild in mein Gedächtnis einbrennt. Nun steht seine Asche auf seiner Werkbank. Es sieht dort noch heute so aus als hätte er erst gestern dort gearbeitet.« Die Tage nach seinem Tod schottete sie sich ab. »Ich wollte nicht reden. Ich verdrängte es. Gleichzeitig hatte ich das Gefühl, dass ich darüber sprechen sollte. Die kommenden Monate waren schwierig. Ich fühlte mich, als wäre es mir nicht erlaubt zu weinen, was lösend gewesen wäre. Mein Arbeitsalltag war mühselig, aber eine Auszeit konnte ich mir damals nicht leisten. Ich musste einfach funktionieren.« In dieser Zeit entdeckte sie Yoga, in den Mittagspausen besuchte sie Kurse. Heute, 8 Jahre später, absolviert sie eine Ausbildung zur Yogalehrerin. »Yoga ist keine Gymnastik, es ist eine Lebensphilosophie. Es geht darum, in Einklang mit sich selbst zu sein … es hilft mir mental. Ich versuche, jeden Tag zu praktizieren, und wenn ich es nicht tue, spüre ich den Unterschied.« Die Beziehung zu ihrem Vater war nicht einfach gewesen. »Meine Eltern liessen sich scheiden, als ich noch ganz klein war. Ich sah ihn alle zwei Wochen. Aber in meinen Teenager-Jahren wollte ich die Wochenenden lieber mit meinen Freunden verbringen, somit verloren wir den Kontakt. Aber er rief mich jeden Geburtstag an. Wenn ich Sprüche über meinen Vater machte, mahnte mich meine Mutter oft: ›Rede nicht so über ihn. Schau, dass du die Dinge in Ordnung bringst.‹ Schlussendlich gelang mir das auch … und 2 Jahre später war er nicht mehr da. Ich wünschte, ich hätte den Schritt früher getan. Halte Kontakt mit deinen Eltern, sei nicht zu stolz dafür. Meistens handelt es sich ja ohnehin nur um Kleinigkeiten. Es gibt Dinge, die ich ihn gerne noch gefragt oder die ich ihm gerne noch gesagt hätte.«

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