Monika

Getroffen in der Region Basel, Schweiz, im Juli 2020

»Vor 3 Jahren entschied ich mich, ein neues Kapitel in meinem Leben zu beginnen. Heute kann ich endlich wieder lachen.«

Monika hatte bereits viele schwierige Herausforderungen in ihrem Leben zu bewältigen. Gewalt in ihrer Kindheit und alkoholkrank bis in die späten Zwanziger sind nur ein Teil davon. So zufrieden wie sie heute scheint, beeindruckt mich. Ich treffe sie beim Bahnhof eines kleinen Dorfes in der Nähe von Basel. »Soll ich dir einen meiner Lieblingsplätze zeigen?«, fragt sie mich.

Während der Fahrt in ihrem Auto beginnt sie zu erzählen, was passiert war. 6 Jahre Depression, eine zerbrechende Beziehung und ein Schockmoment, der zum Verlust ihrer Stimme führte. »Für rund 6 Monate konnte ich nicht mehr sprechen. Ich musste eine Therapie machen, um meine Stimme zurückzugewinnen.« Was genau der Auslöser dafür gewesen war, darüber kann ich öffentlich nicht erzählen. Nach 6 Jahren seelischen Schmerzens entschied sie sich schliesslich, allein in ein anderes Dorf zu ziehen, wo sie niemanden kannte. Sie wollte das zurücklassen, was sie runterzog.

»Ich brauchte ungefähr ein Jahr, um mich zu erholen. In den vergangenen Jahren hatte mein Selbstwertgefühl stark gelitten. Darum hängte ich in meiner neuen Wohnung mehrere Spiegel auf. Am Morgen stand ich jeweils vor einem davon und sagte zu mir selbst: ›Guten Morgen, Moni, schau mal wie grossartig du heute aussiehst.‹ Die Spiegeltechnik, wie sie genannt wird, hilft dir, dein Selbstwertgefühl zu steigern. Du musst es austesten, auch wenn es sich seltsam anfühlt zu Beginn. Wenn ich ermutigende Selbstgespräche führe, fragen meine Nachbarn manchmal, ob ich Besuch habe. ›Nein, nein, das bin nur ich‹, antworte ich dann. Dank meiner Nachbarn habe ich einer meiner besten Freunde kennengelernt, wir teilen ein ähnliches Schicksal.«

Wir kommen zu einer Fischfarm … ein Teich umgeben von Bäumen und Büschen. Während ich ein paar Minuten benötige, um verschiedene Winkel für das Foto auszutesten, sammelt Monika vor sich hin summend Blätter vom Boden. Schliesslich fotografiere ich sie auf dieser kleinen Brücke. Ich sage ihr, dass sie sich auf dem Geländer abstützen soll, doch nach ein paar Minuten wirft sie plötzlich ihre Hände in die Luft, und ich fange das Bild ein, das du hier sehen kannst.

»Auf der Strasse sage ich Fremden manchmal, dass sie grossartig aussehen würden«, erzählt sie mir später. »Dann sind sie ziemlich überrascht und fragen, ob wir uns kennen würden. ›Ja, jetzt schon‹, antworte ich dann. Ich mag es, Freude zu verbreiten. Heutzutage kann ich das machen, weil ich damals nie aufgegeben habe.«


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