Marut - part 2

Getroffen in der Schweiz im Februar 2021

Mut für einen Neuanfang (Kapitel 2 von 3) --- »Und das ist mein Zimmer«, sagte Marut und öffnete die Tür. »Zweckmässig eingerichtet.« Schreibtisch, Bett, Kleiderschrank, Bücherregal. »Das ist perfekt«, meinte Alex. »Weisst du, was mir hierbei in den Sinn kommt?« Marut schüttelte den Kopf. »Du hast mir doch von dieser Metapher erzählt. Dass du das Gefühl hättest, du würdest am Computer sitzen, während das Haus brennt.« Marut musste willkürlich loslachen. »Siehst du, auf diese Weise ist es dir in Erinnerung geblieben.« Er hatte nur mit ein paar wenigen Personen darüber gesprochen, was ihm im Militärdienst vor einigen Wochen wieder aufgefallen war: Dass er sich in Situationen wohlfühlte, in denen er unter Druck stand. Dass er mehr Aktivität brauchte als bloss am Computer zu sitzen. Er zog eine berufliche Umorientierung zum Rettungssanitäter in Betracht, was eine lange Reise werden würde. Deswegen war er sich unsicher. »Beängstigt dich der Gedanke daran?«, fragte Alex, der seine Tasche abgesetzt hatte. »Das nicht, ich kann immer wieder zurückkehren, wenn es nicht funktionieren sollte.« »Und was sagt dir dein Bauchgefühl?« »Dass ich es vermutlich bereuen werde, wenn ich es nicht wagen würde.« Alex nickte. »Ich denke, in vielen Fällen haben wir uns bereits entschieden, auch wenn wir das noch nicht wahrhaben wollen. Wir suchen nach Bestätigung, nach handfesten Gründen, nach Sicherheit.« »Welche es vielleicht nicht immer gibt«, ergänzte Marut und schaute Alex dabei zu, wie er seine Kamera hervorkramte. Marut ahnte, warum Alex in diesem unscheinbaren Zimmer ein Foto von ihm machen wollte. In der folgenden halben Stunde machten sie das Foto, sprachen über World of Warcraft, das Marut gerne spielte … über Fluch und Segen von Homeoffice, über zerbrochene Beziehungen, den ersten Kuss und dass einem manche Menschen sofort vertraut vorkamen, obwohl man sie erst ein paar Minuten kannte. »Und jetzt zeige ich dir noch die Halle«, sagte Marut schliesslich, denn ohne sie wäre die Geschichte nicht zu Ende erzählt.