Marut

Aarau, Schweiz, im April 2020

(Kapitel 4) Der letzte Teil dieser Miniserie, bei welcher ich drei sympathische Menschen kennenlernen durfte. Jede Person, die ich bisher porträtiert habe, hat mich auf die eine oder andere Weise beeindruckt mit ihren Kenntnissen und Ansichten. Für die Einblicke in ihr Leben bin ich sehr dankbar, ich werde einiges davon mitnehmen können.

Dieses Porträt erzählt vom 27-jährigen Marut. Ein Bild von ihm findest Du in den Kommentaren. Unser Gespräch dauerte über 2 Stunden. Daraufhin habe ich diesen Text geschrieben:

»Willst du wissen, wie alles begonnen hat?«, fragt mich Marut über das Telefon. Die Geschichte, wie er zusammen mit ein paar Freunden eine grosse Freestyle-Halle geplant und gebaut hat, ist ziemlich beeindruckend. Natürlich spielte die Finanzierung durch Sponsoren eine grosse Rolle, was nicht ganz einfach war. 3 Jahren liegen zwischen der ersten Idee und dem Eröffnungsevent der Halle. »An diesem Event hatte ich Tränen in den Augen. ›Das ist mein Kind, mein Goldschatz‹, sagte ich zu jemandem.« Nun würde es eigentlich Sinn machen, diese Geschichte fortzuführen. Aber dafür möchte ich Marut persönlich treffen und die Halle mit eigenen Augen sehen. Während ich dem 27-Jährigen zuhörte, bekam ich den Eindruck, dass es mehr zu erzählen geben würde. Dem war dann auch so: »Als sehr junges Kind hatte ich drei Atemstillstände. Ich musste ins Krankenhaus. Mein Grossvater war in dieser Zeit sehr zurückhaltend, aus Verlustangst zögerte er, mich zu sehen. Eines Tages – ich war 3 oder 4 Jahre alt – war er krank. Wir besuchten ihn und alle grüssten ihn vom Türrahmen aus. Aber ich entschied mich, zu seinem Bett zu gehen und mich neben ihn zu legen. Ich schätze, ich bin eine ziemlich empathische Person. Mitte März dieses Jahres verfolgte ich die Pressekonferenz der Schweiz Regierung. Schliessung der Grenzen, Aufgebote des Militärs, all diese Einschränkungen … es kam unerwartet … zu diesem Zeitpunkt war ich in einem Zug und hatte Tränen in den Augen. ›Warum weinst du beinahe?‹, fragte ich mich. Ein paar weibliche Kolleginnen erzählten mir, dass sie gerne mit mir reden und die Perspektive aus Sicht eines Mannes schätzen. Vielleicht öffnen sich die Menschen etwas zu selten. Und manchmal passiert es einfach. Einmal verbrachte ich Zeit mit einer Gruppe von Leuten. Plötzlich redeten wir über Dinge, die man eigentlich nur unter vier Augen bespricht. Früher in der Oberstufe versuchte ich meine Gefühle zu verbergen, aber über die Jahre habe ich erkannt, dass es wichtig ist für mich, sie zu zeigen. Gewisse Lebenssituationen stärkten mein Selbstbewusstsein. Im Militär stellte ich mich freiwillig für eine Fortführung meines Dienstes zur Verfügung. Ich wurde ins kalte Wasser geschmissen, vom einen Tag auf den anderen musste ich vor Leuten sprechen, sie anleiten und Autorität zeigen. Ebenfalls geholfen hat mir die Umsetzung der Freestyle-Halle, bei der ich einige Interviews gab. ›Alles was ich sage, könnte in der Zeitung stehen‹, dachte ich mir. Aber alles ging gut. Um ehrlich zu sein, macht mich der Gedanke an all das ziemlich stolz.«

_ Bild unten: Marut im Jahre 2018, als sie endlich eine Halle gefunden hatten, um ihr Projekt zu realisieren. Für das Endresultat, gehe zu https://www.freestylehalle-zug.ch


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