Marion - part 2

Getroffen in der Region Aarau, Schweiz, im Mai 2020

(Teil 2 von 2) »Wussten deine Freunde, dass du an Depression leidest?«

»Nein. Aber meine Familie wusste es und unterstützte mich. ›Warum hast du nichts gesagt?‹, fragten manche, nachdem ich mich schliesslich öffnete. Doch die Antwort wusste ich selbst nicht.«

Inzwischen sind wir zurück von unserem Spaziergang und stehen im grossen Garten neben ihrem Haus. Miro, ein Australian Shepherd, wuselt um unsere Füsse und sucht nach Aufmerksamkeit. Er ist wie ein energiegeladenes Wollknäuel.

Marion erzählt mir, dass sie einen zweiten Aufenthalt in der psychiatrischen Klinik hatte – 7 Jahre nach ihrem ersten Aufenthalt. »Zu Beginn dieser 3 Monate schrieb mir ein Kollege eine Nachricht: ›Ist es möglich dich besuchen zu kommen?‹ Das zu lesen machte mich etwas stutzig, denn wir kannten uns nur flüchtig. Schliesslich besuchte er mich jede Woche. Wir kamen uns näher. Manchmal verschloss ich mich, aber er merkte ziemlich schnell, wann er mich in die Arme nehmen konnte und wann es keine so gute Idee war. Er ist sehr geduldig. ›Warum sollte er ausgerechnet jemanden wie mich wollen, die ständig am Weinen ist?‹, fragte ich mich.«

Innerhalb der nächsten 2 Jahre hatte Marion einen dritten und vierten Aufenthalt, jeder von diesen war nochmals von 3 Monaten Dauer. In dieser Zeit gab sie ihrer Krankheit einen Namen … sie nannte sie ihren Dämon. Das ist nun 3 Jahre her, und seitdem hat sich ihr Leben stark verbessert. Der Mann, der sie damals jede Woche besuchen kam, ist nun ihr Freund. Sie zogen zusammen in dieses Haus. »Am Anfang war es schwer, da wir keine Tiere hatten. Ich bin auf dem Land aufgewachsen.« Somit kamen als erstes die Zwergkaninchen und Meerschweinchen hinzu. Diese sind wirklich niedlich, das kann ich bestätigen. Nach einiger Zeit war da zusätzlich ein Welpe und ich denke, er war damals schon so aufgeregt wie er es heute noch ist.

»Oh wow, schau mal den Himmel«, bemerke ich plötzlich. »Lass uns ein von Foto von dir und Miro machen.«

»Wenn du ein paar Geräusche machst, wird er sogar in die Kamera schauen«, sagt Marion.

Ihr Hund gibt ihr eine Struktur im Alltag. Und er verteilt pure Lebensfreude. All das scheint mir wie ein Happy End in einem Film zu sein.

»Wie steht es heute um deinen Dämon?«, frage ich gegen Schluss.

»Er ist immer noch da, aber heute ist er klein. Manchmal klopft er an, um auf sich aufmerksam zu machen. Aber ich lasse ihn nicht mehr rein.«

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Vielen Dank, Marion, für das Gespräch und dass du deine Geschichte erzählt hast.

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