Manuela

Getroffen in Suhr, Schweiz, im Januar 2020.

Ich schoss dieses Foto von Manuela im Juli letzten Jahres, ein paar Stunden vor der Party zu ihrem 40. Geburtstag. In zwei Jahren werde ich 30 Jahre alt sein, und vielleicht werde ich das Bedürfnis haben, auf mein Leben zurückzuschauen und mir zu wünschen, ich hätte Einiges anders gemacht. Ich wollte wissen, ob Manuela zu ihrem runden Geburtstag diese Gedanken ebenfalls kennt. Dies war ihre Antwort: »Ich bin glücklich mit meinem jetzigen Leben, ich schaue nicht zurück und tat es auch nicht, als ich 30 geworden bin. Ich frage mich, wie meine Eltern es geschafft hatten, mir eine derart positive und optimistische Lebenseinstellung zu vermitteln. Ich bin schon mein gesamtes Leben hier in dieser Gegend. Ich lebe in einem grossen Wohnblock, ein paar meiner Freunde wohnen direkt nebenan. Es ist eine liebenswürdige Gemeinschaft hier, im Sommer grillen wir manchmal draussen im Garten. Eine Zeitlang ging ich morgens in den Supermarkt, um mir diese eine Sorte von Croissant zu holen. Eines Tages waren von diesen aber keine da, weil der Ofen defekt war. Ich begann frustriert zu werden, obwohl ich noch andere Brötchen hätte kaufen können. Da hielt ich inne. Ich ärgerte mich tatsächlich darüber, dass ich mein übliches Frühstück nicht bekam? Einfach nein. Wir leben in einem solchen Komfort, dass wir es nicht schätzen, überhaupt ein Dach über dem Kopf zu haben. In Afrika fliehen Kinder von den Dörfern auf die Strassen der Städte, um nicht der Gefahr ausgesetzt zu sein, als Kindersoldaten rekrutiert zu werden. Und all dieses Leid in Syrien und anderen Teilen der Welt. Wenn meine Kinder zu mir kommen und sich über die Schule beklagen, sage ich ihnen, dass viele Kinder dieses Privileg nicht haben. Ich sage ihnen, dass es nicht so schlimm ist, wenn sie in einem Fach schlechte Noten haben. Wenigstens kriegen sie Bildung.« »Hast du dich jemals über längere Zeit nicht gut gefühlt?«, fragte ich. »Ich denke, dies liegt zurück in meinem 20. Lebensjahr. Es hielt für etwa 2 Monate an. In dieser Zeit hatten wir die Abschlussreise der Berufsschule nach Holland. Es war dieser Moment, in dem ich mir sagte: ›Manuela, jetzt ist genug gejammert. Hör einfach auf.‹ Von da an ging es mir zunehmend besser.«

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