Juliane

Getroffen in Aarau, Schweiz, im Juni 2020

Über eine Fehlgeburt im Alter von 33 Jahren. Es wäre ihr erstes Kind gewesen. »Ist es in Ordnung für dich darüber zu sprechen?«, frage ich Juliane. Es ist ein sehr persönliches Thema, vor allem wenn es zusätzlich online nachzulesen ist. Wir haben soeben das Fotoshooting neben diesem eindrücklichen Gebäude beendet und gehen nun zurück. »Ich bin ziemlich offen bei diesem Thema, denn es findet zu wenig Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit. Es passierte vor 6 Monaten, ich war in der 8. Woche. Es ist erstaunlich wie stark die Bindung zu diesem kleinen Ding in meinem Bauch bereits war. Vor ein paar Wochen erzählte mir eine schwangere Frau, dass ihr Entbindungstermin im Juli sei. Ich konnte nicht anders als zu denken: ›Das könnte ich sein.‹ Damit war ich draussen, es war für mich zu schmerzhaft.« »Was hilft dir mit dem Verlust klarzukommen?« »Es ist wichtig für mich, dass ich die Ultraschallbilder als Erinnerung habe. Die Leute reden nicht so gerne über dieses Thema. Ich schätze, sie wissen nicht, was sie dazu sagen sollen. Dabei müssen sie nicht mein Problem lösen … ich weiss ja selbst nicht, was das Problem war. Wenn jemand zuhört und ich darüber sprechen kann, genügt das bereits. Mit einer Kollegin konnte ich darüber reden, und es stellte sich heraus, dass sie ebenfalls eine Fehlgeburt hatte. Zusätzlich war da eine Frau, für die ich mal den Einkauf machte. Ihr war es ebenso ergangen. Viele Fälle sind nicht in der Statistik zu finden, denn Schwangerschaften, die nicht so stark fortgeschritten waren, werden nicht erfasst.« Inzwischen sind wir in der Altstadt angekommen und sitzen auf einer Bank. »Wie ging die Geschichte nochmals, die du vor dem Fotoshooting angeschnitten hast?«, frage ich. »Weil er will und nicht muss?« »Ja genau.« »Zwei Wochen nach der Fehlgeburt waren wir in den Bergen in den Ferien. Wir fuhren Ski, was ich nicht getan hätte, wenn ich noch schwanger gewesen wäre. Plötzlich hält mein Freund neben der Piste. Ein schöner Platz mit dem Matterhorn im Hintergrund. ›Lass uns ein Foto machen‹, sagt er. Dann stellt er seine Skis ab, was mir ein bisschen seltsam vorkam. Er hat das bei anderen Gelegenheiten auch nicht gemacht. Dann gehe ich zu ihm und er macht mir einen Antrag. ›Es wird klappen‹, sagt er mir bis heute. Wir probieren weiter und geben nicht auf.« »Was denkst du, wird der Schmerz vergehen, wenn du wieder schwanger wirst?« »Ich weiss es nicht. Ich sage stets: ›Das war ein Testlauf, jetzt kommt das Fine-Tuning.‹ Seit ich erwachsen bin, habe ich mehrere Anläufe in verschiedenen Bereichen gebraucht: Ausbildung, Beziehungen … vielleicht ist es dieses Mal nicht anders?«

  • Black Facebook Icon
  • Black Instagram Icon

© 2020 by  The 7 Memories