Jasmin

Getroffen in Zofingen, Schweiz, im Juli 2020

»Meine zwei Söhne gamen liebend gerne, darum werde ich kreativ und lenke sie mit verschiedenen Aufgaben ab. Sie sind 13 und 15 Jahre alt. Ich sage ihnen jeweils, dass sie in der Migros anstatt im Volg einkaufen gehen müssen, da es dort billiger ist. In Wirklichkeit will ich einfach, dass sie einen längeren Weg haben. An einem Samstag sagte ich zum Älteren: ›Du kannst heute den ganzen Tag gamen, das ist mir egal, aber zuerst backst du einfach einen Zopf.‹ Eine Kollegin von mir witzelt, dass das ja ein Beschäftigungsprogramm wie im Militär sei. Und das stimmt, mir fallen genug Aufgaben ein für meine Jungs. Putzen, kochen, waschen … ich bin froh, wenn ich Hilfe bekomme. Bereits seit einigen Jahren bin ich alleinerziehend.« Sie macht die Dinge etwas unkonventionell, erzählt mir Jasmin. Ich muss schmunzeln über die verschiedenen Geschichten aus ihrem Alltag. »Vor einiger Zeit telefonierte ich mit jemandem. Ich stieg ins Auto und fuhr los, noch immer am Telefonieren. Eine halbe Stunde später sagte er zu mir: ›Jetzt wäre es eigentlich nett, wir könnten einen Kaffee zusammen trinken‹, und ich so: ›Ich bin bereits vor deinem Haus.‹ Er wusste nicht, dass ich zu ihm gefahren bin und dass ich ein paar Minuten weitergeredet habe, ohne an der Tür zu klingeln. ›Warum hast du nichts gesagt?‹, fragte er. ›Warum wartest du denn draussen?‹ In meinem Job pflege ich manchmal alte Menschen, die im Sterben liegen. Normalerweise stellen wir ein zusätzliches Bett ins Haus, damit ein Angehöriger dort übernachten kann. Einmal hatte ich aber den Fall, dass da eine ziemlich grosse Familie von fast 10 Personen anwesend war. Ich dachte: ›Ein zusätzliches Bett reicht da nicht, legen wir doch einfach noch eine Matratze auf den Boden.‹ Meine Organisation mochte das aber gar nicht, am nächsten Morgen bekam ich Probleme. Wenn ich eine Idee habe, dann denke ich nicht allzu viel darüber nach, sondern ich tu’s einfach. Ich sage meine Meinung geradeheraus … auch in Liebesbeziehungen. Ich schreibe keine blumigen, romantischen Nachrichten, dieses Gesülze liegt mir nicht so. Natürlich habe ich es gerne harmonisch, aber das schliesst nicht aus, dass ich ohne zu zögern meine Meinung sage. Manche Leute finden, ich sei eine Powerfrau. Ich schätze, sie haben Recht … ich bin tatsächlich ziemlich stolz darauf, alles unter einen Hut zu kriegen.«

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