Jakub

Getroffen in Olten, Schweiz, im November 2020

An einem Abend letzte Woche sass ich an meinem Schreibtisch, als plötzlich von draussen her Musik ertönte. Zuerst dachte ich, dass jemand im Wohnzimmer die Stereoanlage aufgedreht hat, aber eine Minute später klopfte mein Mitbewohner an die Tür. Da stand ein junger Mann neben der Strasse und gab ein Konzert. Es war bereits dunkel, somit konnten wir nur eine Silhouette ausmachen. Seine Stimme war klar und selbstbewusst und hatte bereits ein paar Zuschauer angezogen. Das war jemand, der wusste, was er tat. »Frag ihn doch, ob du ihn fotografieren kannst«, schlug die Freundin meines Mitbewohners vor, nachdem wir ihm eine Weile zugehört hatten. _ Dreieinhalb Tage später. »Ich nehme an, das war Zufall, dass du direkt bei uns gespielt hast?«, frage ich Jakub. »Genau, so lerne ich eine Stadt auf eine andere Art und Weise kennen.« Jakub kommt aus Prag, verweilt aber momentan in der Schweiz und spielt abends dort, wo es ihm gefällt. Oder vielleicht dort, wo es am wenigsten Probleme geben könnte? Auf seinem Profil entdeckte ich ein Foto, auf dem er mit einer Polizistin abgebildet ist. Die Beschreibung dazu: ›Schweizer Logik. Ich muss dir eine Busse geben, aber weil du so toll gespielt hast, würde ich gerne noch ein Selfie mit dir machen.‹ »Ich mag die Schweiz und ihre Fairness«, meint er. »Ich verbringe fast mehr Zeit auf dem Polizeiposten als mit Spielen.« Ob diese Aussage tatsächlich stimmt, kann nur Jakub beurteilen. Dann, 40 Minuten später, verabschieden wir uns wieder, denn ihm knurrt der Magen, was man auf dem Foto nicht sehen kann oder nun vielleicht doch, weil man es weiss? _ Falls du noch mehr über Jakub Ondra erfahren willst: Einfach mal googlen. Danke, Jakub!