Hana

Aarau, Schweiz, im April 2020

»Darf ich fragen, was dich an der Fotografie so fasziniert?«, schrieb ich Hana letzte Woche. Ich hatte dieses Foto vor Monaten in ihrer Wohnung gemacht. Sie ist nicht gerne vor der Kamera, somit war ich erfreut gewesen, dass sie zugestimmt hatte. Ich wollte Hana fotografieren, weil ich ihre Bilder mag. Sie fängt Menschen und Emotionen auf eine Art und Weise ein, die ich bewundere.

Schlussendlich hören wir uns am Telefon. »Vor ein paar Jahren fühlte ich mich sehr schlecht. Die Fotografie hat mich gerettet.« Diese Ecke ihrer Wohnung, welche auf dem Bild ersichtlich ist … sie geniesst es, dort stundenlang zu sitzen, dem Regen zuzuschauen, wie er Reflexionen vorbeigehender Menschen auf die Strasse zeichnet. »Ein Grossteil meiner Familie lebt in Tschechien. Ich besuche sie etwa 4 Mal im Jahr. Aber nun sind die Grenzen geschlossen, und ich bin mir nicht sicher, ob sie dieses Jahr bereits wieder geöffnet werden. Mein Vater ist 92 Jahre alt. Ich telefoniere regelmässig mit seiner Frau, er selbst erkennt meine Stimme nicht mehr. Aber er ist immer sehr glücklich mich zu hören, wenn er erfährt, dass ich es bin am anderen Ende. ›Wo bist du?‹, fragt er mich dann. ›In der Schweiz‹, antworte ich.«

Der Lockdown dauert in der Schweiz nun seit 3 Wochen an, die Massnahmen sind allerdings weniger strikt als in anderen Ländern. »Ich freue mich auf den Moment, wenn wir zur Normalität zurückkehren können. Wie wird es sich anfühlen, wenn wir uns wieder nahe sein dürfen? Wenn ich meinen Vater besuche, will er mir nahe sein … dass ich neben ihm liege. ›Wo lebst du?‹, fragt er mich jeweils. ›In der Schweiz‹, antworte ich. 5 Minuten später stellt er mir die gleiche Frage.

›Werden wir heute keine Fotos machen?‹, fragte er mich einmal, denn ich fotografiere ihn jedes Mal wenn wir uns sehen. Er geniesst es sehr, in diesen Momenten ist er wie früher … ich weiss nicht genau, wie ich es beschreiben soll. Und immer dann, wenn ich die Heimreise antrete, verabschiede ich mich von ihm als wäre es das letzte Mal. Auf diese Weise habe ich keine Angst. Wenn ich eine Kamera in der Hand halte, spüre ich keine Angst. Die Fotografie ist für mich eine Art zu fühlen und zu berühren.«

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Unten siehst du ein paar meiner Lieblingsbilder von Hana. Das erste Bild zeigt ihren Vater. Hanas Arbeit findest du auf Instagram.


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