Hamda

Getroffen in Aarau, Schweiz, im Januar 2020.

»Ich fühle mich etwas gestresst, da ich in 2 Monaten für ein Jahr nach Toronto ziehen werde. Ausser meinem Freund kenne ich niemanden dort. Ich traf ihn im Sommer 2018 und es wird das erste Mal sein, dass wir gemeinsam in einer Wohnung leben. Ich muss noch eine Menge vorbereiten und gleichzeitig müssen meine Schwester und ich unseren gesamten Haushalt loswerden.« Wir sitzen in einem Café in der Aarauer Altstadt. Hamda, 21 Jahre alt, erzählt mir, was ihn momentan so beschäftigt. »Ich weiss nicht, ob dies funktionieren wird. Ist es nicht immer so, dass du vor allem an das denkst, was schief gehen könnte? Wie bei einem ersten Date? Ich sollte mir nicht so grosse Sorgen machen, da es ermüdend ist. Und es beeinflusst unsere Beziehung. Eine Fernbeziehung ist ohnehin schwer zu halten.« In diesem Moment werde ich unsicher. Ich fühle mich schlecht, dies zu fragen, aber ich muss. »Somit bist du homosexuell?« »Ja, bin ich.« »Was denkst du darüber, dass ich dich das frage?« »Nun gut, wir haben dieses Gespräch, somit ist es okay. Diese Frage ist nicht etwas, das mich so stark stört wie es das früher tat. Als ich 15 Jahre alt war, konnte ich Erfahrungen mit beiden Geschlechtern sammeln. Die Leute machten Bemerkungen, aber das taten sie auch mit anderen Gleichaltrigen. Glücklicherweise habe ich liebevolle Menschen um mich herum. Ich hatte eine schwere Zeit im Kindes- und Jugendalter. Im Alter zwischen 5 und 10 Jahren lebte ich bei einer Pflegefamilie, danach war ich wieder zurück bei meiner Mutter. Aber es harmonierte nicht, somit lebte ich nach 4 Jahren mit Höhen und Tiefen wieder bei einer Pflegefamilie.« »Zusammen mit deinen Geschwistern?« »Nein, mein Bruder ist fast 10 Jahre älter als ich und er war beinahe erwachsen als die Probleme mit meinen Eltern begannen. Wir hatten lange Zeit wenig Kontakt, aber letzthin klärten wir einige Dinge zum Guten. Eine meiner Schwestern ist die Tochter einer Frau, die gut für mich sorgte zwischen meinem 14. und 18. Lebensjahr. Sie gehören jetzt auch zu meiner Familie. Und ich lerne Spanisch, um mit der anderen Seite ihrer Kultur in Berührung zu kommen.« »Und deine leibliche Mutter?« »Wir haben wieder Kontakt. Nachdem ich mich distanziert hatte, wurde es besser. Aber wir brauchten Zeit. Allgemein brauchte ich Zeit, um gewisse Dinge für mich herauszufinden und sie zu akzeptieren, wie sie sind.«

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