Gabriel

Getroffen in Zürich, Schweiz, im August 2020

»Ich war zu naiv als ich diesen Film zu produzieren begann. Ich hatte vom Amoklauf eines jungen Deutschen in einer Schule gehört. Niemand wird als schlechte Person geboren, die Erfahrungen während dessen Leben führen dazu. Das ist die Botschaft des Films, er handelt von Mobbing. Nachdem ich das Skript geschrieben und über 30 Schauspieler gecastet hatte, begannen wir zu drehen. Bald wurde klar, dass mehrere Leute verschiedene Meinungen darüber hatten, wie die Szenen auszusehen hatten. Die Stimmung am Set war angespannt, ich verteidigte meine Ideen, da ich der Produzent mit Verantwortung über die finanziellen Mittel war. Gleichzeitig spielte ich die Hauptrolle. Während den einzelnen Drehtagen, die sich über ein Jahr erstreckten, wurde Mobbing – nein, Rufmord trifft es besser – zunehmend meine Realität. Ich war erschöpft und ausgebrannt. In der Nacht sass ich manchmal am Fenster, starrte in die Dunkelheit hinaus und stellte mir vor, wie die Gebäude um mich herum zusammenbrachen. Alles in meinem Leben schien auseinander zu fallen. Ich konnte nicht glauben, dass mir das passierte. Der Film war real geworden. Diese Geschehnisse sind nun 4 Jahre her. Ich wurde depressiv, verlor viele Freunde und nahm an Gewicht zu. Ich erhole mich noch immer davon. Gegenüber Menschen, die ich das erste Mal treffe, bin ich vorsichtiger geworden. Aber ich sagte mir, dass ich mich nicht in meinem Zimmer einschliessen werde. Somit realisierte ich ein paar Kurzfilmprojekte und begann wieder Menschen zu treffen. Diese Filme handeln alle von eher schweren Themen, aber sie enden stets mit Hoffnung. Ich habe einen ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit. Ich erschaffe Figuren, die Aussenseiter sind … Menschen, die leiden und die nicht willkommen sind. Aber am Ende vollbringen sie aber immer etwas Grosses. Während des Lockdowns reflektierte ich viel über mich selbst und das Geschehene. Ich will nicht sagen, dass ich keine Fehler gemacht habe. Aber ich wünsche mir, dass die anderen Leute mehr über ihre eigenen Worte nachdenken sowie sich selbst und ihr Verhalten mehr reflektieren würden. Worte haben Gewicht, sie können stark verletzen. Durch das, was mir passiert ist, bin ich nun vielleicht offener gegenüber Menschen, die Ähnliches erlebt haben … so versuche ich das zu sehen. Ich glaube an Gott und dass es schlussendlich im Jenseits Gerechtigkeit geben wird. Heute bin ich kein Opfer mehr.« _ Vielen Dank, Gabriel, dass du deine Erfahrungen geteilt hast! http://www.gabrieldasilva.ch

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