Fabio

Getroffen in Aarau, Schweiz, im Juli 2020

»Wenn jemand Teil deines Lebens sein möchte, du aber weder die Zeit noch Energie dazu hast, dieser Person Aufmerksamkeit zu geben, dann ist es schwierig zu vermeiden, diese Person zu verletzen«, sagt mir Fabio. »Wie gehst du damit um?« Ich denke darüber nach während wir auf einer Mauer in der Altstadt sitzen. Ich komme zum Schluss, dass ich es bevorzuge, diesen Menschen überhaupt keine Aufmerksamkeit zu geben anstatt nur ein bisschen, was ihnen dann nicht gerecht werden würde. »Allerdings muss ich sagen«, fährt Fabio fort, »habe ich heutzutage wieder etwas mehr Zeit, da viele meiner Freunde Kinder bekommen haben. Ich fühle mich sehr zufrieden momentan, ich vertraue dem Verlauf der Dinge. Natürlich denke auch ich über Vieles nach, aber ich kann gut abschalten, wenn es sein muss. Es mag Menschen geben, die nicht wirklich nachdenken und damit glücklich sind. Aber auf diese Weise riskierst du vielleicht, andere eher zu verletzen … ich weiss es nicht.« »Aus welchen Gründen fühlst du dich zufrieden momentan?« »Aufgrund meiner Beziehungen, der Freiheit, das machen zu können, was mir Spass macht, und der Engagements in meiner Freizeit. Ich glaube daran, dass wenn du Gutes tust, es früher oder später zurückkommen wird … entweder sofort durch direktes Feedback oder auch erst Jahre später wenn man jemanden trifft und diese Person sich an dich erinnert.« Was ich als Gespräch über Fabios Selbstständigkeit (er ist Mitinhaber einer Agentur für Grafik und Design) geplant hatte, wandelte sich in ein Gespräch über das Leben. Fabio gründete damals eine der bekanntesten Bars (Schwanbar) von Aarau mit, zusätzlich ist er momentan im Einwohnerrat der Stadt aktiv. Er wollte die Politik nicht nur als Zuschauer von aussen miterleben. »Seit vielen Jahren beschäftigen wir nun jeweils eine lernende Person in unserer Agentur. Es ist schön, unser Wissen weitergeben zu können. Letztes Jahr trafen wir uns mit allen bisherigen Lernenden zum Abendessen. Das sind fast ein bisschen wie meine Kinder. Es ist ein schönes Gefühl, an all diese Menschen zu denken, die wir auf ihrem Weg begleiten konnten. Wenn jemand in seinen frühen Zwanzigern nicht weiss, welche berufliche Richtung er einschlagen soll, dann ist das in der Tat keine leichte Situation. Aber so oder so, auch wenn du es erst ein paar Jahre später herausfinden würdest … sorge dich nicht über diese paar Jahre, denn du hast noch genug Zeit und häufig ist jede erlernte Fähigkeit schlussendlich etwas wert.«

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