Eine grüne Wand - 3

Getroffen in der Schweiz im Dezember 2020

Wenn du dein eigenes Kind nicht liebst (Kapitel 3 von 5) --- »Die Oberärztin kam rein und fragte, wie es lief. Die Hebamme meinte, dass das Fruchtwasser grün gewesen wäre und dass die Herztöne des Babys nicht mehr gut seien. Ich war geschockt, das zu hören, warum sagte sie mir das nicht? Ich war schon so müde und bekam zusätzlich eine PDA. Sie schmerzte beim Reinstechen, dabei wollte ich doch eigentlich keine Hilfsmittel. Die Oberärztin kam später nochmals und meinte, wir machen einen Notkaiserschnitt, sie würde alles vorbereiten. ›Nein‹, schrie mein Kopf, ›nein.‹ Zu müde, um mich zu wehren. Sie brachten mich auf ein Bett, das mich nach unten fuhr. Ich war nackt, auch im Geburtsaal, das war so unangenehm, ich wollte angezogen sein, aber der Wunsch wurde ignoriert.

Links von mir hat sich mein Mann hingesetzt und hielt meine Hand. Grüner Stoff trennte meinen Blick auf das, was die Ärzte auf der anderen Seite machten. Es lief nicht wie erwartet. Ich blickte verängstigt um mich, drückte die Hand meines Mannes, dann wurde mir so schummrig und weg war ich.«

Alex schauderte, als er nun verstand, was mit der grünen Wand gemeint war. Er brauchte eine Pause, stand auf und ging ziellos im Zimmer umher. Er überlegte, ob das alles überhaupt an die Öffentlichkeit gehörte. Einige mochten über diese Geschichte bestürzt sein, manche lächelten vielleicht darüber, aber andere würden sich darin wiederfinden. Letztendlich hatte er darauf keinen Einfluss. Er atmete tief ein und setzte sich wieder hin.

»Weit weg hörte ich ein Babygeschrei. Ich machte innerlich meine Augen auf und sah ein Licht, es war gelb-orange-rot, so schön warm und gemütlich. Mir war als würde ich durch einen endlosen Korridor fahren. Und wieder war da das Geschrei eines Babys, plötzlich wurde mir bewusst, dass ich ja schwanger war und in einen OP-Saal gebracht worden war. Stimmt, wach auf! Wach auf verdammt nochmal! Ich kämpfte mit mir und auf einmal schlug ich die Augen auf, alles war verschwommen und ich hörte meinen Mann. Ich hörte die ganzen Leute, schaute zu meinem Mann, dann zur Ärztin. Sie meinte, sie seien noch am Zunähen, danach sei ich fertig. Ich fragte meinem Mann, ob er die Nabelschnur durchschneiden konnte. Jedoch leider nein. Unser Sohn atmete nicht, es musste alles schnell gehen, ich wusste doch, dass es nicht okay war.«