Christoph - part 3

Getroffen in Zürich, Schweiz, im März 2020

(Teil 3 von 3)

»Ja, ideal ist es überhaupt nicht. Ich versuche mit dem Zug zu reisen wenn möglich. Und ich bleibe länger an einem Ort als ich es früher tat. Manchmal stelle ich mir die Frage, ob ich genug tue für diese Welt. Nehmen wir beispielsweise die Menschen, die für NGOs arbeiten … sie leisten grossartige Arbeit. Vielleicht werde ich eines Tages dabei sein. Aber momentan muss ich mich entscheiden. Konzerte zu spielen, bei denen die Menschen ihre Sorgen für einen Moment vergessen können, leistet ebenfalls seinen Beitrag.«

»Bist du jemand, der seine Handlungen oft hinterfragt?«

»Ja, definitiv. An manchen Tagen scheint nichts zu funktionieren, 3 Personen rufen dich an mit schlechten Neuigkeiten, und dann könnte ich einfach im Bett bleiben. Tage wie diese können sich auf eine Woche oder einen Monat ausdehnen. Dann ist es wichtig, innezuhalten, zu reflektieren und den Fokus neu auszurichten. Ausserdem denke ich, dass gute und schlechte Jahre sich abwechseln. In guten Jahren bist du sehr beschäftigt, gehst diversen Projekten nach, und in schlechten Jahren hast du Zeit, um zu pausieren und zu kurieren.«

»Wie ist deine Perspektive auf unsere Zukunft als Ganzes? Bist du optimistisch?«

»Es ist schwierig, optimistisch zu sein. Ich versuche es, aber wenn du die Geschichte der Menschheit betrachtest … sie machen immer und immer wieder dieselben Fehler.«

Unsere Welt ist voller Probleme und momentan (es ist der 17. März während ich das schreibe) kommt noch die Corona-Krise hinzu. Besteht das Leben nicht ständig aus dem Lösen von Problemen? Manchmal ist es einfacher, manchmal schwieriger, aber ich schätze, es ist normal, stets interne und externe Probleme zu haben. Mit dieser Sichtweise fällt es einem vielleicht etwas leichter, ruhig zu bleiben, was wichtig ist, um verantwortungsvoll zu handeln. Ich weiss, dass es für manche Menschen sehr schwierig ist, nicht ständig besorgt zu sein. Und das ist in Ordnung. Es ist eine verrückte Zeit, nicht wahr?

Der letzte Teil unseres Gesprächs findet auf dem Rückweg im Zug statt, da bei Christoph noch ein anderes Meeting ansteht. »Ich las, dass du sehr gerne und lange schläfst?«, frage ich ihn. »Somit gehst du immer früh ins Bett?« Er schüttelt den Kopf. »Oftmals wird es 4 Uhr morgens.«

»Wirklich?« Ist dies ein Künstler-Phänomen?

Dann ist es Zeit sich zu verabschieden. »Nun haben wir nicht über dich geredet«, sagt er. »Ich werde dir schreiben, dann spielen wir eine Partie Schach.«

»Grossartig!«, und als ich nach Hause gehe, bemerke ich, wie die Stimme in meinem Kopf zu mir sagt: ›Christoph ist eine sehr erfolgreiche Person. Wie sieht es mit dir aus?‹

›Sei einfach still!‹, antworte ich mir selbst. ›Wie definierst du überhaupt Erfolg?‹

_ Vielen Dank, Christoph Croisé

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