Christoph - part 2

Getroffen in Zürich, Schweiz, im März 2020

(Tei 2 von 3) »Es gelingt mir, bescheiden zu bleiben. Wie definiert man überhaupt Erfolg? Das ist Ansichtssache, vor allem in der Musik. Du kannst immer mehr Menschen erreichen, du kannst es immer besser machen. Wir spielen für ein spezifisches Publikum, das sich für klassische Musik interessiert. Die Zahlen spielen mir keine grosse Rolle, ich liebe es einfach zu spielen. Ich bin sehr glücklich mit meinem Leben. Ich bin frei. Die Zeit läuft schneller je älter du wirst. Aber es macht deutlich mehr Spass im Erwachsenenalter.«

»Glaubst du, dass du Glück hattest?«

»Glück ist immer dabei. Schon allein, dass wir in einer Zeit leben, in der wir unserer Leidenschaft nachgehen können, ist ein Geschenk. Zusätzlich konnte ich auf die Unterstützung meiner Eltern zählen. Diese beiden Aspekte sind die wichtigsten, sie sind die Grundlage. Als nächstes kommt dein eigener Einsatz. Übung. Konstante Übung. Unglücklicherweise geben einige Leute ihr Bestes, kommen aber trotzdem nicht vom Fleck.«

»Wieviel übst du?«

»6 Stunden pro Tag ist üblich. Das war auch der Grund, warum ich mit 11 Jahren den Schachklub wieder verliess. Ich wurde ambitioniert, wollte auch an den Wochenenden üben. Cello spielte ich bereits seit dem 7. Lebensjahr.«

»Du hast bereits als Kind so viel Zeit investiert?«

»Ja, weil sich im Kindesalter die Fähigkeiten am stärksten entwickeln. Das ist im Schach nicht anders, oder? Natürlich, es war nicht immer einfach. Ich hatte ein paar Rückschläge in dieser Zeit. Ich bewarb mich für eine Schule, und sie rieten mir mit dem Cellospielen aufzuhören. Sie sagten mir, dass ich es nicht weit schaffen würde. Dies gab mir zusätzlichen Schub. Ich verdanke auch viel meinen Lehrern.«

Diese Sache erstaunt mich. »Warum sagen Erwachsene den Kindern und Jugendlichen immer wieder, dass sie Dieses oder Jenes nicht schaffen können?«

»Ich weiss es nicht.«

Für das 2. Foto wechselten wir die Location. »Ich mag es, wie das Licht von der linken Seite einfällt«, sagt er. »Können wir ein Szenario machen, in dem ich vorgebe, mein Cello zu entsorgen?«

Wir müssen beide lachen ab dem Ergebnis. »Es sieht so aus, als würdest du mich um Erlaubnis fragen«, sage ich. »Wie teuer ist es eigentlich?«

»Das kann ich öffentlich nicht sagen. Es ist handgemacht aus dem 17. Jahrhundert. Normalerweise kauft man diese Instrumente nicht, da der Preis im 6- oder 7-stelligen Bereich liegt … wenn man Glück hat jemanden zu finden, der es einem leiht.«

Ich erinnere mich gelesen zu haben, dass er im Flugzeug einen 2. Sitz für sein Cello buchen muss. »Du fliegst viel. Hast du ein schlechtes Gewissen?«

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Im 3. Teil sprechen wir über Christophs Sicht auf die Welt. Du findest ihn unter Christoph Croisé

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